Schiebocker in Zittau
Jede Reform bringt Gewinner und Verlierer hervor. Manchmal dauert es eine gewisse Zeit bis man weiß zu welcher Gruppe man sich zählen kann. Prognosen von selbsternannten Experten sind dabei meist wenig hilfreich. Die Wahrheit liegt eben immer noch auf dem Platz, beziehungsweise unmittelbar dahinter. Ein Sieger der EU- Osterweiterung stand schon vor dem 1. Mai 2004 fest- der VFB Zittau. Dazu muss man wissen, dass die Grenze zu Tschechien direkt hinter dem Stadion verläuft, was in früheren Jahren zu einigen diplomatischen Verwirrungen geführt haben dürfte. Stell sich mal einer vor, ein Spieler holt den verschossen Ball und wird wegen illegaler Einreise von fremdländischen Polizeikräften inhaftiert. Soweit kam es natürlich nie, aber es ist immer gut Probleme vor dem Auftreten zu beseitigen.
Beim dritten Auswärtsspiel des Imperiums, machten wir -Dancer und ich- uns kurz nach dem Mittag auf, um für ein paar Stunden am von oberster Stelle optimierten Vereinsleben des VFB teilzunehmen, ließen uns dafür nach kurzer Bahnfahrt von Olly und Olly Senior aufgabeln, die uns flinken Reifens gen Osten brachten. Nur zwei Wagen voll Holländern, welche in Anbetracht der Oberlausitzer Hügelketten in einen schockähnlichen Zustand versetzt wurden und fortan im Schritttempo über die Landstraße schlichen, konnten unsere Anfahrt etwas verzögern.
Schon einige Stunden vor uns waren die Elitekicker eines mir unbekannten Schiebocker Fanclubs, besetzt mit einigen mir bekannten Personen, zum Zwecke des Spiels gegen einen mir ebenfalls unbekannten Zittauer Fanclub, ausschließlich besetzt mit mir unbekannten Personen, im Dreiländereck eingetroffen. 6:4 für die Einen gegen die Anderen ging dieses Freundschaftsspiel aus.
Zum eigentlichen Anlass versammelten sich offizielle 150 Zuschauer im beschaulichen Rund, 35 von ihnen waren Schiebocker.
Görlitzer waren keine da, obwohl das Spiel im Programmheft mit deren Mannschaft angekündigt wurde. Auch als Budissa Bautzen zu späterem Zeitpunkt auswechselte, waren es erneut nur Schiebocker, die sich bemerkbar machten.
Der Stadionsprecher schien mir doch diverse Dinge konsumiert zu haben, die auf der BtM Liste wiederzufinden sind.
Das sture Ablesen der Werbetexte ließ die Vermutung nach einem Roboter aufkommen.
Kommen wir mal auf den Punkt: Das Spiel war kein schönes, umso mehr ein erfolgreiches.
Die beiden Neuzugänge Lars Marschner, per Kopf, bereits in der dritten Minute, und Marcus Herzig, der kurz vor seinem Tor mit einem Querpass auch Hagen Lein zum Treffer verholfen hätte, es aber selbst versuchte und scheiterte, machten die für den Sieg notwendigen Tore. Der Start in die schwere Landesligasaison ist mit acht Punkten nach fünf Spielen also geglückt.
Auf der Rückfahrt dann Tag der offenen Tür. Anstatt das Fenster zu öffnen, wurde das aus Versehen mit der Tür gemacht- bei 120 km/h. Erst große Augen, dann minutenlanges, schallendes Gelächter. Die sofortige Beteuerung: "Oh, hier wollte ich gar nicht ziehen" konnte es auch nicht unterbinden. In Schiebock konnten wir noch eine knappe Stunde auf den Zug warten, wobei die Zeit nur so verflog, nicht wahr Dansi?
Soweit aus Zittau, demnächst geht`s nach Vielau, wenn die Mannschaft uns mitnimmt, worum ich hier noch mal bitten möchte. Wir wollen auch lieb sein, versprochen.
Danke und Tschüß
Schlechtwetterfront Claus
22.08.04
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