Schiebocker in Vielau
Der BFV hat sich im Erzgebirge zurück gemeldet. Nach über einem Jahr fuhren wir wieder nach Westsachsen, wo man uns schon sehnlichst erwartete- nehme ich an.
Auf Carmen aus der Schiebocker Stadionkneipe war trotz Auswärtsspiel Verlass und so konnte man schon kurz vor Elf das erste frisch Gezapfte am Treffpunkt vertilgen. So stelle ich mir das vor.
Im Bus nach Vielau saßen neben der Mannschaft noch 17 Fans, die sich das Treiben im schmucken Waldstadion nicht entgehen lassen wollten.
Recht zügig war der Zielort erreicht. Dort hatte man auch gleich ein Haus nach uns benannt, weil Fortschritt einfach mal der geilste Verein weltweit ist- is` so. BFV stand groß dran, laut erläuternder Unterschrift angeblich eine Förderschule für pubertierende Holzmichel, die dort wohl zu Löffelschnitzern ausgebildet werden sollen. Tatsächlich aber ein ausgelagertes Nachwuchszentrum. Wir lassen uns nicht täuschen!
Für die Hüttenbewohner der Region ist es wahrscheinlich nicht schön, dass die Feuerwehr zu Fuß zum Einsatzort marschiert, während ihnen das Laubdach über der Mütze abfackelt. Uns kam es gelegen, denn einer der Brandbekämpfer nahm sich die Zeit auf dem Weg zum Unglücksort und wies uns mit militärisch korrekten Handzeichen nach kleiner Irrfahrt die Einfahrt. Danke. In Vielau hielt sich die Aufstiegseuphorie nicht lange. Zieht man die 20 Schiebocker von der offiziellen Zuschauerzahl ab, besuchten nur 90 Einheimische das Spiel.
Für diese gab es keinen Grund zur Freude, die Schiebocker waren einfach Chef auf dem Platz.
Auswärtssieg Nummer Zwei wurde durch ein souveränes 4:2 eingefahren, was nicht weiter spektakulär gewesen wäre, hätte der Schiedsrichter nach 50 Minuten nicht die Kontrolle über seine Körperfunktionen verloren. Vielleicht ist durch zu heftiges Pfeifen auch nur seine Anatomie durcheinander gekommen. Mit dem Hirn in der Hose und gequirlter A-A im Kopf, drehte er kurz durch und verteilte Platzverweise. "Rot" für Bäcker wegen Anwesenheit folgte der Tribünengang des Trainers und noch mal "Rot" für den auf der Bank platzierten Ersatztormann Caspar. Die Zuschauer, besonders die Gäste, waren daraufhin, sagen wir mal ansatzweise indigniert. Da stehst du da, auf dem Hang am Spielfeld, siehst so was und kannst nichts machen. Schon dumm, manchmal.
Gute Laune auf der Rückfahrt war dennoch selbstverständlich, leider hielt sie sich nicht lange, nicht bei den vorn Sitzenden. Dort wurde ausgedehnt diskutiert wo nun das Ortseingangsschild von "Picke" steht, wie der dicke Mann heißt der neben der zahnlosen Frau wohnt, deren dritte Tochter nach einem Jahr des Großelternbesuchs im Kaukasus, mit den Zwillingen der zugezogenen Hirtenfamilie, in die neunte Klasse in die Schule hinterm Teich ging und was mit der Mülltonne wurde, die damals umfiel, während der große Hund in die kleine Ecke kackte- oder so ähnlich.
Anfangs noch recht lustig, später ursächlich für meine wieder zunehmenden Kopfschmerzen- in der Halbzeit hervorgerufen durch das Weihnachtslied auf dem Megaphon, das ich hoffentlich nie wieder sehe.
In Dresden floh ich aus dem Bus, kann deshalb nicht sagen ob der Streit in eine Schlägerei ausartete, wovon aber auszugehen ist.
Fehlt eigentlich nur noch die Danksagung für unsere Versorger, die uns mit leckeren Brötchen und Kuchen voll stopften. Es sei hiermit geschehen.
Danke und Tschüß
Tintenfüllerfüller Claus
30.09.04
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