Schiebocker in Chemnitz

In Japan weiß man, der Darm ist der Sitz der Gesundheit. In Chemnitz weiß man, im Abstiegskampf ist der BFV ein willkommener Gegner. Schon im Oberligaabstiegsjahr war die 0:2 Heimniederlage gegen den VfB am 30. Spieltag der Todesstoss, auch wenn damals in Chemnitz gewonnen werden konnte. Diese Saison gingen wieder 8 Punkte an die Chemnitz, die ausschlaggebend dafür sein könnten, dass wir sowohl den VfB, dann als SV Fortuna, als auch die Zweite des CFC erneut besuchen dürfen. Warum auch nicht.
Die Hinfahrt stellte eine Hürde dar, die es schon länger nicht mehr zu überwinden galt. Erst davon ausgegangen, ich würde keine Zeit haben, war es Samstagvormittag beinahe unmöglich eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Beinahe verheißt aber eben dennoch Gutes, denn gerade als ich der Bahn widerwillig mein Geld opfern wollte, kam der erlösende Anruf. Mit Patti Patrick Patrikulus ging es dann zu Zweit gen Westen. Ich muss sage, eine bessere Gesellschaft müsste nicht als Utopie abgetan werden, würden die Auswärtsfahrten öfter in dieser Konstellation stattfinden, zumal Dansi breit grinsend in Chemnitz auf uns wartete. Die Dummquatscherei grenzenlosen Ausmaßes ist der ideale Nährboden für Ideen, die unsere Zivilisation voranbringen. An diesem Tag nicht unbedingt, eher allgemein gesprochen, Schrödi und Merki sollten trotzdem mal mitkommen.
An dieser Stelle folgt jetzt mal ein Lob an Carmen und ihren Trupp. Während ich mich in Bischofswerda stets eine Stunde vor Anpfiff vollverpflegen kann, dafür das Lob- ja und auch Danke sage ich- wurde das Gastronomieteam in Chemnitz erst sehr spät von der Zeitarbeitfirma in die Spur geschickt. So ca. 10 Minuten vor Spielbeginn gab es zwar belegte Brötchen, mit der Bratwurst dauerte es dann aber fast bis zur Halbzeit. Der Genuss steigerte sich dadurch irgendwie schon, weswegen wir nicht alles mies machen wollen. Das Spiel war eigentlich gar nicht schlecht. Zwei kämpfende Mannschaften die hin und wieder auch ansehnliche Spielzüge hervorbrachten. Kurz nach der Halbzeit sogar die Führung, die ich übrigens voraussagte, Jan machte auch gleich ein schönes Beweisfoto- danke an mich. Durch den Treffer kam noch zusätzlicher Schwung ins Spiel, das von den Unparteiischen vorbildlich geleitet wurde. Endlich mal 90 Minuten Fußball, ohne aller 30 Sekunden einen Pfiff zu hören, nur weil sich zwei Spieler berühren. Der BFV kam zu zwei hundertprozentigen Einschussmöglichkeiten, die aber zusammen mit den Punkten vergeben wurden. Die passende Weisheit dazu spare ich mir. Zum vierten Mal in Folge gab es nach dem Spiel lange Gesichter bei den 10 Mitgereisten. Bis auf die fehlende Kaltschnäuzigkeit- das Wort ist beim Schreiben noch lustiger als beim Lesen- und die Situation zum 1:2, kann man der Mannschaft aber nicht wirklich Vorwürfe machen. Kommt vor. Nun will das Volk aber Schuldige, irgendwelche, egal ob`s welche gibt und noch egaler ob`s die richtigen sind. Deshalb präsentiere ich voller Stolz: Der Ball. Optisch an einen Strandvolleyball erinnert, konnte er auf Grund gleichartiger Trikotfarben nicht optimal erkannt werden. Ich schlage als Reaktion ein Treffen am grünen Tisch vor. Nun ja. Jetzt, da der Klassenerhalt perfekt ist, tschüss Hausdorf, sollte es ganz ohne Druck in den letzten Spielen auch wieder mit Punkten klappen. Weitere Erkenntnisse aus Chemnitz: VfB Torschütze Weigelt trägt seine Frisur scheinbar nicht nur aus modischen Gründen, sein Fanklub am Spielfeldrand mag die Türkei nicht (wie wohl alles Undeutsche) und die besonderen Eigenschaften und Verhaltensweisen von vielen Tormännern kann man sicherlich auf ADS zurückführen, zumindest im Fall des Chemnitzers.

An die Mannschaft, den Trainer und alle Mitwirkenden geht der Glückwunsch zum erreichen des Saisonziels.

Danke und Tschüss

Dschungelkämpfer Claus

24.05.05


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