Schiebocker in Dresden
Außer Dansi war`n wir alle da. Er zog es vor, sich irgendwelche Vasen und mumifizierte Haustiere in der Schweiz- nicht die sächsische, die echte- anzusehen, anstatt den Auswärtsmob der Schiebocker beim Dresdener SC zu beehren. Da frag ich mich doch, wie bei manchen die Prioritäten gesetzt sind. Immerhin verbleibt Pharao Ulembi morgen und in der Folgezeit hartnäckig im toten Zustand, während das Spiel unwiederbringlich beendet ist.
Andererseits tut unserer menschlichen Rhythmusmaschine ein bisschen Kultur fernab des Stadions auch mal gut.
Die Biw´ler die gekommen waren, sahen zwei Premieren, hörten obendrein eine Vereinshymne, zu der die Mannschaften sicherlich schon 1940 mit eindeutigen Gestiken einmarschierten. Premiere Nummer Eins fand eine viertel Stunde nach Anpfiff statt, als dem Wirt die Plastebecher für`s Bier ausgingen, infolgedessen sich jeder Besucher wie ein kleiner König fühlen durfte, wurde doch von nun an in`s vornehme Glas geschenkt. Jetzt versuchen wir trotzdem mal die Kalkulation nachzuvollziehen.
Wir schätzen die Zuschauerzahl im voraus auf 200- 281 waren es tatsächlich. Der männliche Anteil, der ja vorrangig für das Biertrinken zuständig ist, dürfte bei einem Fußballspiel bei ca. 75 Prozent oder in diesem Fall 150 Leuten liegen, wovon jeder durchschnittlich zwei Becher leert. Damit sind wir bei 300 benötigten Plasteschalen, welche so schnell eigentlich nicht aus gehen. Wie realistisch diese Rechnung ist, spielt dabei keine Rolle, weil man einfach mal die Kiste voll macht und nicht abgezählte Bierbecher einkauft. Beim nächsten mal weiß dann auch der Wirt bescheid.
Die DSC Fans machten ordentlich Radau, ganz anders als wir. Bei uns fand das allwöchentliche Intellektuellen Forum seinen Platz. Diskutiert wurden unter anderem die Fragen, ob man aus elf Maurern eine Mannschaft bilden kann, ob es Fliesenleger besser könnten, und was Bernd zu seiner Sopran- Stimme verhalf. Wie immer wusste nachher keiner wie man auf die jeweiligen, schwachsinnigen Themen kam. Ich weiß es zumindest nicht- sinnlos sag ich da, sinnlos.
Schiebock erspielte sich Vorteile, die leider nicht mit Toren vergoldet werden konnten. Nach einer groben Unsportlichkeit konnten die Dresdener sogar in Führung gehen. Brutal wurde unser Libero zu Boden getreten, was der sonst gute Schiri nicht gesehen haben will, und außer mir auch kein anderer. Eif nickte mir nur beschwichtigend zu. Im Block zog Stille ein. Später fingen sogar kleine Meckereien an. Das darf in Zukunft unterbleiben, denn so schlecht war die Mannschaft nicht, besser als der DSC auf jeden Fall, nur vor dem Tor klappte nicht viel. Bis Marcus Herzig sein Debüt gab. In der 80. Minute staubte er nach Hains Gewaltschuss zum hochverdienten Ausgleich ab.
Die schwarz- mohnroten Fans sangen weiter und bei uns kehrte die Zufriedenheit zurück, obwohl ein Sieg machbar gewesen wäre.
Die zweite Premiere vergesse ich natürlich nicht. Der Zwölfte Mann wurde seinem Namen auf Bischofswerdaer Seite gerecht. Ein Spieler des Gegners lief nichts Böses ahnend wie "Hans guck in die Luft" an unserem Block vorbei, als er üble Beschimpfungen über sich ergehen lassen musste. Geschockt und erzürnt ließ er sich zu diversen Handbewegungen hinreißen. Der Schiri gab ihm dafür Gelb, dank uns. Wir sind eben einfach nur toll.
Maglica, so heißt der Betroffene, wollte nach dem Abpfiff persönliche Danksagungen los werden und kam die Biw`ler zu diesem Zweck noch mal besuchen. Einem unserer Krakeeler bot er per Handzeichen sogar ein mannhaftes Duell an. Unnötig zu erwähnen, dass dies nicht statt fand. Nach einem Bier mit paar Leuten von "Nordostfussball.de" machte ich mich als letzter Schiebocker auf den Heimweg, unwissend ob das konfiszierte Pyro seinen eigentlichen Besitzern rückerstattet wurde.
Danke und Tschüß
Grillfisch Griller Claus
22.08.04
zurück zur übersicht