Schiebocker in Bautzen

Der Plan war recht einfach, nicht schwer zu verstehen und somit eigentlich als unausweichlich erfolgreich anzusehen. Bevor ich zu Dansi aufbrach, rückte ich im Bahnhofskiosk ein, gab dem werten Mann hinter der Kasse einen Euro und erhielt dafür einen Lottoschein mit den von mir zuvor angekreuzten Zahlen. Die 21 Millionen aus dem Jackpott würde ich zu Teilen an den BFV abdrücken und uns allen wäre für viele Jahre mindestens die Oberliga Gewissheit. Irgendwo muss dann aber doch jemand unfähig gewesen sein, denn die beantragten Siegerzahlen wurden nur unzureichend gezogen. Ich habe das Gefühl, dass man uns klein halten will. Missgunst wird so etwas genannt, in diesem Fall dürfte auch Angst vor der Großmacht Schiebock eine Rolle gespielt haben. Fußballmafia DFB!
Das Derby stand an. Bei Budissa, die erst ein Mal in dieser Saison alle drei Punkte abgeben mussten, sollte der Hinspielsieg bestätigt werden, was, ich nehme es vorweg, vortrefflich gelang. Kurz nach Eins an der Müllerwiese (Wieso heißt das Stadion eigentlich Müllerwiese? Wer war Müller und welchen Bezug hatte er zu Gras? Ostsächsischer Drogenhändler? Hofgärtner des sorbischen Königshauses? Oder musste Müllers Mühle der Tribüne weichen und die Namensgebung war ein Teil der Wiedergutmachung? Ich bitte um Aufklärung!) angekommen, kehrte ich gleich wieder um, um den BFC- Schiebocker, bzw. BFV- Berliner abzuholen. Am Bahnhof gab es trotz Weihnachtszeit keine Glühweinbude, ich hoffte sehr, dass es eine geben würde, und so durfte ich die halbe Stunde bis zur Einfahrt der Regionalbahn mit frieren verbringen. Das klappt in Bischofswerda und überall sonst besser. Wahrscheinlich wurde der Bahnhofsweihnachtsmarkt in Aussicht auf den wütenden, zugreisenden Schiebockmob am Vortag abgebaut. Fußballmafia DFB!
Pünktlich zum Anpfiff waren wir zurück am Spielort. Fanklub "Reich und Schön" gab eine Runde blaue und weiße Fähnchen und zwei Rauchtöpfe aus. Sah gut aus. Auf dem Platz und den Rängen ging es munter los. Freundschaftsbekundungen flogen über das Feld, die Stimmung war dem Derby angemessen, auch wenn auf unserer Seite nicht viele den Mund aufbekamen. Die Wenigen die es taten, schrieen dafür umso lauter. Kurz vor der Pause brachte Andreas Hain mit seinem Tor dann den gesamten Gästeanhang zum ausrasten. Es war zu erkennen, dass dies nicht irgendein Spiel war. Die zweite Hälfte kann man getrost als Zitterpartie bezeichnen. Ich lief wieder ca. einen Kilometer auf der Gegengerade rauf und runter und werde später sicherlich im Geiste des Echos (für Eingeweihte) als der seltsame, alte Mann gelten, der nie still stehen kann.
Mit einem Mann weniger stand der BFV fast 40 Minuten lang im eigenen Strafraum und brachte die Angreifer der Budissa zur Verzweiflung. Geholfen hat auch ein gewisser Tino Wecker, der, wie andere Bautzener auch, eine 100%ige vergab. Tja, bisschen Arschwackeln reicht eben nicht immer. Das Ende wie aus dem Märchenbuch. Wonne wechselte zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute ein. In der 98.(!) Minute machten sich Herzig und Beranek auf in den gegnerischen Strafraum und gaben dem Schieri die Möglichkeit endlich abzupfeifen, nachdem er sich den Ball aus dem Tornetz geholt hatte. Was danach kam muss ich wohl keinem erzählen. Die Guten durften ausgelassen feiern, während die Barbaren mit hängenden Köpfen zurück in ihre Höhlen trotteten. Feine Sache das Ganze. Derbysieger!

Danke und Tschüss

Bahnhofswärter Claus

14.12.04


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