Schiebocker in Weinböhla

Zum vorletzten Mal aus der Bezirksliga, meldet sich der Erfinder der weltweit ersten vollautomatischen, sich selbst reinigenden Speisefischverarbeitungsanlage- die olle Clausn. Jetzt dreht er völlig durch werdet ihr vielleicht denken. Dazu sage ich nur: Sitzt du im Glashaus ohne Stein, kommt niemals frische Luft herein! Denkt mal drüber nach.

Um doch noch der Thematik dieser Internetpräsenz gerecht zu werden, fahre ich mit einer Abhandlung über die Geschehnisse am 19.06.2004 in Weinböhla fort. In diesem sonst wenig beachteten Ort, fand im Freidrich- Ludwig- Jahn Stadion das Endspiel des Bezirkspokals zwischen Schiebock und Heidenau statt. Für die Reise zu diesem Ereignis, reservierte ich zwei Plätze im kombinierten Fan- und Mannschaftsbus, von denen ich natürlich nur einen selbst in Anspruch nahm. Der andere war eigentlich für meinen Bruder gedacht, der aber einfach mal verschlief, und deshalb die Strecke von Wiesbaden zum Austragungsort direkt absolvieren musste. Dafür der erste Platz in der Wertung für die längste Anreise. Zeitgleich mit dem Fanbus der Heidenauer kamen wir am Stadion an. Ein riesen Spaß wie man sich vorstellen kann. Ein HSV Fan war dermaßen entzückt, dass er beinahe schalwedelnt durch die Seitenscheibe gesprungen wäre. Die Dichte des Glases war dann aber doch größer als die seines Kopfes. Kleiner Spaß am Rande.

Die etwa 100 mitgereisten Schiebocker Fans waren nicht weniger freudig gestimmt, und jeder der Anwesenden sollte ein Spiel erleben das er nicht mehr vergessen wird. Wir hatten mal wieder ein kleines Intro geplant, wofür ich die Verantwortung aber an Dansi abgab, hatte ich doch schwere Zweifel an der Durchführbarkeit. Fancy Dansi war zum Glück nicht so pessimistisch, und so ergab das Ganze sogar ein richtig gutes Bild. Nicht optimal, aber was soll`s. Fein gemacht. Das Meißener Indi- Bier in der praktischen 0,4 l Klarsichthülse - wahrscheinlich extra zum Anlass gebraut, vorher hab ich noch nie von dessen Existenz Kenntnis genommen- stellte sich als unser bester Freund heraus und sorgte für lockere Kiefer bei den Beteiligten, womit einem fröhlichen Singsang nichts mehr im Wege stand. Ich, als aufmerksamer Beobachter meiner Umwelt, bemerkte diesen Zustand zuerst und gab den Vorsänger. Leider kennen wir in Schiebock nur sechs Lieder, inklusive monotoner, deckungsgleicher Wortaneinanderreihungen. Dauerrotation war also das einzige Mittel. Dem ca. 70 Mann/ Frau starken Heidenau- Anhang konnten wir damit sogar noch was beibringen. Deren Schlachtrufe kamen aber irgendwie in einer sehr seltsamen Tonlage über den Platz geflogen. Dennoch muss ich respektvoll anmerken, sie waren die einzigen gegnerischen Fans, die in dieser Saison mal den Mund zur Unterstützung ihrer Mannschaft auf machten. In der zweiten Halbzeit verflachte sowohl das Spiel, als auch die Aktivität auf der Naturtribüne. Mit 1:1 ging es in die Verlängerung, in der sich König Fußball kurz vor Schluss seinen Thron auf`s Neue verdiente. Die Statistiker vermerkten später die 118. Minute, in der der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigte. Das Ding war gegessen, Heidenau war der Sieger. Für alle, nur nicht für den BFV Schlussmann Rene Katzwinkel. Er befand den Schützen für ungeeignet, ein solches Spiel zu entscheiden. Wenn schon Elfmeter, dann für alle. Die, die nicht mitspielen durften, waren am Ausrasten. Der geneigte Schiebock Fan tobte am Spielfeldrand. Der Rest der 350 Besucher schaute nur noch ungläubig. Katzwinkel rettete seinen Verein tatsächlich ins Elfmeter- Duell. Er war aber noch nicht fertig. Wenn schon ein Held, dann nicht nur ein halber. Verständlich, irgendwie. Er machte das Finale zu seinem persönlichen. Die Anordnungen der Sicherheitskräfte, die Schiebocker sollen hinter der Bande bleiben, wurden zu Bitten, wandelten sich Resignation. Dann ging es los. Heidenau war dran vorzulegen. Versucht haben sie es auch. Doch für Katze war es nur die Ouvertüre. Die ersten beiden hielt er, die nächsten drei waren drin. Eiskalt berechnet, auch dass der erste Schütze des BFV vergeben musste, denn Katzwinkel ließ sich beim Schieri als fünfter Schütze registrieren.

Er tritt an, schießt...

Ein Lächeln konnte er noch Richtung Seitenlinie schicken. Dann wurde es dunkel. Die Mannschaft stürmte auf ihn los, erwischte ihn nur knapp vor den Fans, die sich trotzdem nicht abhalten ließen, sich im Menschenpotpourri zu integrieren. Selber Schuld, Rene! An der Pokalübergabe konnte er unverletzt teilnehmen. Einige Fans konnten sogar noch ein paar der Siegertrikots ergattern. In Bischofswerda angekommen gab es eine tolle Feier, bei der es nochmal reichlich Freibier zu vernichten galt. Danke an alle Organisatoren und edlen Spender, welche da gewesen wären: Der Präsi, Hauptsponsor Volksbank, die Stadt Bischofswerda vertreten durch Oberbürgermeister Erler, und einem weiteren, den ich leider vergessen habe, dem umso mehr Dank gebührt- `tschuldigung!

Es war ein genialer Tag für den BFV und auch Heidenau darf stolz auf diese Mannschaft sein, die ein großes Spiel geliefert hat.

Das war`s aus Weinböhla. Demnächst wird es noch einen Saisonrückblick aus Fansicht geben. Bis dahin.

Danke und Tschüß

Bärentöter Claus

22.06.04


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