Schiebocker in Schneeberg
Wochenende. Wieder machen sich Hunderttausende, wenn nicht Millionen vorwiegend männliche Staatsbürger auf, dem beliebten Spektakel mit dem Ball auf der meist grünen Wiese beizuwohnen.
Einigen vielen ist dabei allerdings nicht so wohl zumute wie es zum Beispiel der Brauereiindustrie sein dürfte, folgen sie doch eher einem unerklärlichen Urtrieb - was den Römern die Gladiatoren waren sind uns die Fußballer - als dass sie von Vorfreude oder gar Optimismus angezogen würden.
Genau so geht es zum Beispiel einem, der dummerweise in einer Stadt groß geworden ist, die sich Bischofswerda nennt, die den Bischofswerdaer FV 08 beheimatet und deren größtes Ereigniss das alljährige Schiebockrennen ist. Allen Motorsportfans zum Trost, es geht um Schubkarren!
Leider kann man sich den Ort seines Erwachsenwerdens aber nicht aussuchen, genausowenig wie ein Fan die Farben seines Schals wählen kann- es ist irgendwie vorherbestimmt.
"Did they get you to trade your heroes for ghosts?" fragten Pink Floyd einst einen abtrünnigen Band- Kollegen.
Würde mich das Heute jemand fragen- die Antwort wäre ja, zumindest was Fußball und speziell den BFV angeht. Nungut, von Helden kann bei einem Landesligaverein ohnehin schwer die Rede sein, aber es ist klar was ich meine.
Der Höhepunkt des Tages wurde wie so oft nicht beim Spiel, sondern vielmehr, ca. eine Stunde vor Anpfiff, bei Mc Donalds gesetzt, als einer meiner Mitstreiter mit der Eliminierung von vier Monsterburgern glänzen konnte. Fantastisch.
Die Sonne schien zwar wie`s Blöde, dennoch zog ein kalter Wind durch das Schneeberger Stadion, durch den ich mich veranlaßt sehen mußte, meine "Ich begrüße den Frühling"- Bekleidung durch eine Jacke zu ergänzen. Ach, und nennen wir es mal besser eine Sportanlage, noch viel besser Anlägchen. Wenigstens blieb die Uranhalde, Austragungsort in der letzten Serie, ungenutzt.
Wie gesagt, es war kalt und sollte auch nicht wärmer werden. Was dort passierte ließ bei keinem der zwölf Schiebocker die körpereigene Temperatur ansteigen.
An der Motivation der Spieler lag es diesmal nicht, entschlossen sie sich doch schon nach fünf Minuten auch mal den Ball zu erobern, und wie gänge dieses Vorhaben sicherer umzusetzen, als mit einem Anstoß?
Ja, das war Ironie, und ja, es stand 1:0 für Schneeberg.
So ungefähr zehn Minuten später, pünktlich als die letzten Bischofswerdaer ankamen, kam noch jemand, nämlich ehemals Fußballgott Hagen Fritsche. Er allerdings tauchte nicht aus dem verworrenen Straßennetz des Erzgebirges auf, sondern aus der Versenkung. Das erste Mal seit dem Auftakt in Markkleeberg. Er drosch den Ball zum 1:1 in die Maschen, und es passierte was eigentlich am schlimmsten für uns BIW`ler ist- es keimte diese verfluchte Hoffnung auf.
Wir sollten uns aber wundern, hätte die famose Elf von der Wesenitz nicht noch ein A(a)s im Ärmel, und so wurde infolgedessen wieder mit der berühmte BFV- Technikschule aufgetrumpft.
Die erste Phase wäre da, den Ball in den leeren, und ich meine den völlig leeren Raum, zu befördern. Anschliessend rennt der einzige Stürmer, der natürlich auf Verschleiß von den eigenen Mitspielern über den Platz gehetzt wird, wir haben ja immerhin keine einzige Alternative auf der Bank, zum vermuteten Ort des Einschlags. Dort ist natürlich nichts mehr zugegen was annähernd rund ist.
Phase Zwei. Jeder Abwehrspieler ist bemüht möglichst keinen Kontakt zum Spielgerät aufzunehmen. Tritt dieser Fall trotzdem ein, wird mit Phase Eins fortgesetzt.
Das legendäre Schiebocker Zweiphasensystem.
Gewürzt wird mit individuellen Fehlern einer D- Jugend Truppe und einem Torwart, er möge es mir verzeihen, der dem Ball auf dem Weg zum entscheidenten Gegentreffer freundlich hinterher winkt.
Naja, einmal Latte, einmal Pfosten- wir können wieder von Pech reden, und überhaupt, haben wir nicht immer verloren wenn da eine Schiedsrichterin das Geschehen leitete?
Also war es Pech und die Schiri.
Hoffentlich wird das in der Bezirksliga nochmal anders.
Tschüß sagt El Clauso
02.04.03
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